Hier findet ihr eine vollständig eigene Geschichte über eine Wolkenwerkstatt sowie einen Bauplan für weitere Erzählrunden. Alle Bewegungen bleiben Vorschläge. Die Beteiligten dürfen sie anders darstellen, kleiner ausführen, im Sitzen spielen oder eine Szene auslassen. Es gibt keine erforderliche Geschwindigkeit und keine körperliche Prüfung. Die Geschichte soll eine gemeinsam erfundene Welt erlebbar machen. Sie muss weder eine bestimmte Trainingswirkung erzielen noch bis zum vorbereiteten letzten Satz durchgeführt werden, wenn die Kinder längst eine andere interessante Fortsetzung gefunden haben.
Eine Geschichte braucht eine überschaubare Aufgabe
Ein klarer Anlass hält die Szenen zusammen: In unserer Wolkenwerkstatt soll eine freundliche Wetterwolke für einen Fantasiegarten entstehen. Dafür suchen die Figuren eine Form, geben der Wolke eine Bewegung und schicken sie anschließend los. Diese drei Schritte reichen für eine kurze Runde. Es braucht keine lange Vorgeschichte über Figuren, die niemand kennt. Das Kind soll nach dem Einstieg ungefähr wissen, was in der Welt gerade passiert. Der Erzähltext schafft dabei einen Spielanlass, keinen Auftrag, der unbedingt richtig erledigt werden muss.
Wählt ein Thema, zu dem die Kinder etwas beitragen möchten. Eine Werkstatt, ein Bahnhof oder ein Fantasietier kann passen; eine spannende Verfolgung kann wiederum mehr Hektik erzeugen, als ihr gerade wollt. Das Thema bestimmt nicht automatisch die Bewegungsintensität. Eine Weltraumgeschichte kann aus ruhigen Handbewegungen bestehen, eine Gartengeschichte aus vielen Ortswechseln. Plant deshalb zuerst die gewünschte Art der Runde und gebt ihr danach eine passende Welt. Das verhindert, dass ein aufregender Titel plötzlich Bewegungen verlangt, für die der Spielort keinen Platz bietet.
Den Erzählraum vorbereiten
Für die Wolkenwerkstatt genügt eine freie Fläche, auf der alle Arme bewegen können, ohne aneinander oder an Gegenstände zu stoßen. Ein Stuhl kann bei Bedarf ein fester Sitzplatz sein; Möbel dienen nicht als Klettergerät. Die Werkstatt ist ein Ort in der Vorstellung. Niemand muss tatsächlich auf einen Tisch steigen, um eine Wolke zu erreichen. Wenn eine Szene einen Weg beschreibt, könnt ihr diesen mit wenigen normalen Schritten oder einer Bewegung am eigenen Platz darstellen. Die Geschichte bleibt in beiden Fällen dieselbe.
Vor Beginn zeigt ihr ein einfaches Pausenzeichen, etwa eine gehobene offene Hand. Dann halten alle die Bewegung an und hören auf den nächsten Satz, soweit das gerade angenehm möglich ist. Das Zeichen ist kein Ausscheidetest. Wer es erst später bemerkt, bekommt den Übergang erneut erklärt. Bei einem kleinen Raum beginnt ihr nebeneinander mit eigener Bewegungsfläche. Die Übersicht ist wichtiger als ein dekorativer Aufbau. Wer einen tatsächlichen Parcours ergänzen möchte, findet dafür gesonderte Überlegungen unter Bewegungsparcours zu Hause.
Unsere eigene Geschichte: Die Wolkenwerkstatt öffnet
„Heute hängt über dem Fantasiegarten ein großes Schild: Wolkenwerkstatt gesucht! Die Blumen möchten eine neue Wolke bestellen, die ein wenig Schatten macht und freundlich über ihre Beete zieht. Wir öffnen die Werkstatttür. Sie geht ganz langsam auf: Unsere Hände bewegen sich auseinander, als würde zwischen ihnen eine große Tür entstehen. Dahinter wartet ein leerer Arbeitsplatz. Wir schauen nach links und rechts. Wo sollen wir anfangen? Jede Person zeigt auf ihren eigenen Wolkenplatz. Hier darf gleich etwas Besonderes entstehen.“
Lasst nach diesem Abschnitt Zeit. Die Kinder können eine Tür mit den Armen darstellen oder lediglich mit den Händen ein kleines Fenster öffnen. Fragt nicht nach einer korrekten Türbewegung. Die Szene dient dem Ankommen in der Erzählwelt. Wenn ein Kind erklärt, seine Werkstatt habe eine Schiebetür, darf es seine eigene Handbewegung zeigen. Ihr könnt diese Idee in den nächsten Satz aufnehmen. Damit erlebt es, dass seine Darstellung die Geschichte verändert und nicht nur eine vorbereitete Bewegung nachahmt.
Szene zwei: Welche Form hat die Wolke?
„Auf dem Arbeitstisch liegt unsichtbares Wolkenmaterial. Es ist heute ganz leicht und lässt sich in viele Formen bringen. Wir nehmen mit den Händen ein wenig davon und formen einen kleinen Bogen. Dann wird aus dem Bogen ein Kreis. Vielleicht bekommt die Wolke auch zwei lange Seiten oder eine winzige Spitze. Wir lassen unsere Formen kurz stehen, damit die anderen sie betrachten können. Die Blumen im Garten rufen: Jede Wolke darf anders aussehen! Also wählen wir eine Form, die uns gefällt.“
Die Beteiligten bewegen hier Hände und Arme am eigenen Platz. Der Kreis darf klein vor dem Körper oder größer seitlich dargestellt werden. Wenn eine Person eine Form benennt, könnt ihr fragen, wie diese Wolke heißt. Ein Name wie „Schneckenkreis“ kann die Szene tragen, ohne dass ihr eine neue Aufgabe hinzufügen müsst. Wer lieber zusieht, darf sich eine der Formen merken und später ihre Bewegung erzählen. Es ist keine notwendige Rolle, alle Figuren gleichzeitig mit den Armen zu zeigen.
| Szene | Mögliche Darstellung | Kleine oder sitzende Alternative | Erzählfrage |
|---|---|---|---|
| Werkstatt öffnen | Hände langsam auseinanderführen | Eine Hand als Tür bewegen | Welche Tür hat eure Werkstatt? |
| Wolke formen | Bogen, Kreis oder eigene Form zeigen | Form mit einem Finger zeichnen | Wie heißt die Wolke? |
| Wind finden | Arme weich seitlich bewegen | Hände vor dem Körper bewegen | Zieht die Wolke gerade oder kurvig? |
| Garten erreichen | Wenige Schritte am freien Platz | Bewegung nur mit den Händen | Wo bleibt die Wolke stehen? |
| Werkstatt schließen | Eine selbst gewählte Schlussgeste | Kurz winken | Was bestellen die Blumen morgen? |
Szene drei: Einen Wind erfinden
„Die Wolken sehen schön aus, aber sie wissen noch nicht, wie sie reisen sollen. In einer Schublade liegt ein kleiner Wind. Wir öffnen sie in unserer Vorstellung und lassen ihn heraus. Zuerst bewegt er nur unsere Hände. Dann wandert er seitlich an uns vorbei. Unsere Wolke folgt dem Wind mit einer weichen Kurve. Doch vielleicht möchte sie lieber geradeaus ziehen. Wir probieren eine eigene Windbewegung aus und geben unserer Wolke den passenden Weg. Kein Wind muss besonders stark sein; die Blumen warten geduldig.“
Eine Person kann den Wind zeigen, die anderen wählen, ob sie ihn übernehmen oder ihren eigenen ausprobieren. Das Tempo bleibt so, dass die Handlung sichtbar ist. Wenn die Arme weit ausschwingen, prüft erneut die Abstände. Bei wenig Platz bleibt der Wind vor dem Körper. Ihr müsst keine Wirkung erklären, die diese Bewegung auf einen echten Körper angeblich haben soll. In der Erzählung ist sie ein Zeichen für Wind. Das reicht als Spielzweck und lässt unterschiedliche Darstellungen zu.
Szene vier: Besuch im Fantasiegarten
„Jetzt reisen unsere Wolken zum Garten. Wer möchte, macht ein paar Schritte auf seiner freien Fläche. Wer lieber am Platz bleibt, schickt die Wolke mit einer Handbewegung los. Unten erkennen wir die Blumen, einen Weg und einen kleinen Teich, den wir nur in unserer Fantasie besuchen. Unsere Wolke sucht einen Platz. Vielleicht steht sie über dem roten Blumenbeet oder neben dem Gartenhaus. Dann hält sie kurz an. Wir zeigen mit unseren Händen, wie groß ihr Schatten heute ist. Die Blumen winken und sagen Danke.“
Der imaginäre Teich gehört zur Geschichte und verlangt kein tatsächliches Wasserspiel. Die Kinder wählen ihren Wolkenplatz selbst, ohne quer durch den Raum laufen zu müssen. Wenn jemand unbedingt den ganzen Garten erkunden möchte, könnt ihr dafür später eine separate Runde planen. Für den gegenwärtigen Abschnitt genügt eine kurze Bewegung und ein sichtbarer Haltemoment. Die Begrenzung hält den Erzählbogen verständlich. Ein Wunsch nach mehr Bewegung darf aufgegriffen werden, muss aber nicht sofort jede vorbereitete Szene in einen schnellen Laufweg verwandeln.
Die Geschichte mit den Kindern weiterführen
Nach dem Gartenbesuch könnt ihr schließen: „Die Werkstatt macht Feierabend. Wir verabschieden unsere Wolke mit einer eigenen Geste.“ Oder ihr fragt, was die Blumen als Nächstes bestellen möchten. Eine Regenwolke kann Fingerbewegungen bekommen, eine Schlafwolke eine sehr langsame Kurve, eine Wolke für ein Drachenfest eine neue Farbe in der Vorstellung. Nehmt ein oder zwei Vorschläge auf und führt sie tatsächlich aus. Wenn zehn Ideen gleichzeitig entstehen, könnt ihr einige für eine spätere Runde merken, ohne sie sofort zu einem langen Programm zusammenzubauen.
Die DGUV-Zeitschrift KinderKinder stellt Bewegungsgeschichten als möglichen Spielanlass www.kinderkinder.dguv.de/mehr-bewegung-geht-immer/ vor und nennt das Weitererzählen durch Kinder. Unsere Wolkenwerkstatt ist eine eigenständige Geschichte. Aus dem Quellenanlass übernehmen wir keine konkrete Erzählung und leiten keine Garantie für Konzentration oder körperliche Fähigkeiten ab. Für eure Runde zählt, welche Ideen die Kinder selbst einbringen und ob der Wechsel zwischen Zuhören und Darstellen gut zu ihrer momentanen Aufmerksamkeit passt.
Textlänge und Pausen aufeinander abstimmen
Eine Bewegung braucht manchmal länger als der Satz, der sie beschreibt. Wenn die Wolke bereits weiterreisen soll, während Kinder noch ihre Form ausprobieren, passt der Erzählrhythmus nicht. Wartet an solchen Stellen, bis die Beteiligten ihre Handlung beendet haben oder einen neuen Übergang möchten. Der vorbereitete Text ist ein Vorrat, kein Zeittakt. Ihr dürft Wörter kürzen und bekannte Szenen nur mit einem Stichwort anrufen. „Unsere Wolkentür“ reicht später vielleicht aus, weil die Gruppe sich an die gemeinsame Darstellung erinnert.
Eine neue Runde muss nicht jede Szene wiederholen. Vielleicht wollt ihr nur verschiedene Winde zeigen und erraten, welche Wolke dazu passt. Dann wird aus dem langen Erzählbogen eine kleine Bewegungsrunde. Eine andere Gruppe möchte die ganze Geschichte genau wie zuvor hören. Auch das ist eine mögliche Vorliebe. Vertraute Wiederholung und neue Fortsetzung schließen sich nicht aus. Entscheidet nach dem Wunsch der Kinder, welche Teile wiederkommen, statt jede Wiederholung automatisch durch mehr Material oder schwierigere Bewegungen zu ersetzen.
Mit unterschiedlichen Zugängen gemeinsam spielen
Eine Szene kann mit Armen, Händen, kleinen Schritten oder einer Erzählung dargestellt werden. Wichtig ist, dass alle Varianten innerhalb der Geschichte Bedeutung behalten. Wer im Sitzen eine Wolke mit den Händen lenkt, schickt ebenfalls eine Wolke zum Garten. Es sollte keine dauerhafte Nebenrolle entstehen, in der eine Person nur zuschaut, während alle anderen das eigentliche Abenteuer erleben. Fragt nach bevorzugten Darstellungen und akzeptiert, wenn eine Bewegung gerade nicht gewünscht ist. Daraus braucht kein Gespräch über vermeintliche Defizite zu werden.
Die DGUV-Hinweise zur Bewegungsförderung www.dguv.de/fb-bildungseinrichtungen/sachgebiete/kitas/bewegung/index.jsp betonen vielfältige Angebote. Das zugehörige Fachmaterial für Kindertageseinrichtungen publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/1425 richtet sich an pädagogische Einrichtungen. Hier dient es als Recherchegrundlage, nicht als rechtliche Vorgabe für private Familienrunden. Unsere konkrete Umsetzung bleibt eine kleine eigene Erzählidee mit frei gewählten Handlungen und einer übersichtlichen Fläche. Die Bedingungen eures Spielorts müssen bei jeder Erweiterung neu betrachtet werden.
Eine weitere Geschichte selbst vorbereiten
Schreibt auf einen Zettel drei Dinge: Wer erlebt die Geschichte, was möchte die Figur und woran erkennt sie das Ende? Ergänzt dann zu jeder Szene genau eine mögliche Handlung. Ein Bahnhof kann etwa eine Türbewegung, einen langsamen Weg und ein Abschiedswinken enthalten. Erst wenn diese kleine Folge funktioniert, fügt ihr eine Wahl hinzu: Welchen Ort besucht der Zug? Die Wahl sollte eine sichtbare Folge bekommen. Sonst ist sie nur eine Frage, deren Antwort den vorbereiteten Text ohnehin nicht verändert.
- Ein kurzer Anlass erklärt, was in der Erzählwelt passiert.
- Jede Szene enthält Zeit für eine überschaubare Handlung.
- Sitzende und kleine Darstellungen gehören gleichwertig zur Geschichte.
- Ein Pausenzeichen beendet keine Teilnahme.
- Kinderideen verändern mindestens einen Teil der Fortsetzung.
- Der Schluss ist erkennbar und kann bei Bedarf vorgezogen werden.
Nach der Runde könnt ihr eine besonders beliebte Szene behalten und den übrigen Text liegen lassen. Vielleicht wird die Wolkentür zum wiederkehrenden Anfang einer neuen Geschichte. Vielleicht wollen die Kinder Formen legen, statt sie mit den Armen zu zeigen. Für weitere körperlose Erzählfortsetzungen passen unsere Erzählspiele; andere Tierfiguren lassen sich mit Tierbewegungen aufgreifen. Die eigene Geschichte ist gelungen, wenn sie einen gemeinsamen Spielmoment ermöglicht hat. Ein vollständig abgearbeiteter Text ist dafür keine Voraussetzung.
Quellen und weitere Informationen
Originalquellen zur Einordnung der Angaben.
- DGUV Information202-062: Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung in Kindertageseinrichtungen (AusgabeMärz2023)publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/1425Geprüft: 2026-10-08
- DGUV: Bewegungsförderungwww.dguv.de/fb-bildungseinrichtungen/sachgebiete/kitas/bewegung/index.jspGeprüft: 2026-10-08
- BIÖG: Bewegungsideen für Kinder und Jugendlichewww.kindergesundheit-info.de/themen/bewegung-und-sport/bewegungsideen-fuer-kinder-und-jugendliche/Geprüft: 2026-10-08
- DGUV KinderKinder: Mehr Bewegung geht immer (Ausgabe02/2023)www.kinderkinder.dguv.de/mehr-bewegung-geht-immer/Geprüft: 2026-10-08
